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Krönungskirche der deutschen Könige

Aachen und seine Pfalz verloren zunehmend an Bedeutung, waren letztlich für viele Jahrzehnte lediglich geistiger Mittelpunkt eines zunehmend verfallenden Großreiches.
Erst im Jahre 936 sollte sich in Aachen wieder großes Ereignen und der Reichssitz Kaiser Karls des Großen politische Bedeutung höchsten Ranges erfahren. Der 24jährige Otto I. berief sich als erster Herrscher auf die von Karl dem Großen begründete Reichsidee und erkor die Pfalzkapelle zum Ort seiner Königskrönung. In der Pfalzkapelle fand am 07. August die feierliche Salbung und die Inthronisation auf dem Throne Karls des Großen statt.

 
   
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Thron, Vorderansicht
Foto: Domkapitel Aachen, (Siebigs)
 
     
 
Auf dem Thron Karls des Großen im Obergeschoss des Aachener Domes wurden 30 Könige des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation inthronisiert. Er zählt zu den kostbarsten Zeugnissen deutscher Geschichte.
 
 
 

Seit dieser Krönung sollte Aachen mit seiner Pfalzkapelle untrennbar mit der deutschen Geschichte verbunden bleiben. Otto I. und die ihm folgenden Herrscher sahen in Karl dem Großen das Ideal eines christlichen Herrschers. Sie übernahmen seine Visionen von einem neuen römisch-abendländischen Kaiserreich und versuchten in Aachen etwas vom dem Ruhm und von der Macht des großen Herrschers auf sich zu übertragen. Otto I. eröffnete mit seiner Wahl für Aachen als Ort seiner königlichen Krönung eine 600jährige Krönungsgeschichte, in deren Verlauf bis zum Jahre 1531 nicht weniger als 30 Herrscher auf dem Thron Karls des Großen im Obergeschoss des heutigen Domes Platz und somit das Reich in Besitz nahmen. Viele in Aachen gekrönte Herrscher fühlten sich Karl den Großen und seiner Pfalzkapelle in besonderer Weise verbunden und bedachten die Kirche mit kostbaren Stiftungen. Neben Otto I. waren dies vor allem auch Otto III., der das offensichtlich in Vergessenheit geratene Grab Karls des Großen suchen und bei Nacht den Boden der Pfalzkapelle heben ließ.

 
   
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Pala d'Oro
Foto Pit Siebigs
 
     
 
Goldaltar mit der Darstellung der Passionsgeschichte, den Symbolen der vier Evangelisten, dem auf dem Richtersitz thronenden Christus, der flankiert wird von der Muttergottes und dem Erzengel Michael. Die goldenen Tafeln entstanden zwischen den Jahren 1000 und 1020 in einer Aachener Werkstatt im Auftrag Otto des III.
 
 
 

Otto soll den kaiserlichen Leichnam vorgefunden und verehrt haben. Heute wird vermutet, dass Otto III. mit der Auffindung der sterblichen Überreste Karls des Großen dessen Erhebung zu den Heiligen beabsichtigte. Otto III. ließ auch den Reliquienschatz der Kapelle durch die Überführung und Beisetzung der heiligen Corona und Leopardus vergrößern und war Auftraggeber einer Ausschmückung der Kirche durch den Maler Johannes. Zudem verdankt der Dom ihm die Stiftungen des Goldaltares und des Lotharkreuzes.

 
 
 
lotharkreuz
 
 
 
 
Lotharkreuz
Foto Pit Siebigs
 
 
 
 
Das Lotharkreuz entstand um das Jahr 1000. Unzählige wertvolle Edelsteine und Perlen sowie aufwendige Filigranarbeiten zieren fast verschwenderisch die Vorderseite. Besonders auffallend ist der im Schnittpunkt der Kreuzbalken vorhandene Halbedelstein Sardonyx. Er weist drei Farbschichten auf und enthält das Portrait Kaiser Augustus. Diese Arbeit ist ein Meisterwerk der Steinschneidekunst und stammt aus der Zeit unmittelbar vor der Geburt Christus. Der im unteren Abschnitt eingefasste Bergkristall aus karolingischer Zeit enthält die Darstellung von König Lothar II. Ihm verdankt das Kreuz seinen Namen. Die Rückseite ist im Gegensatz zur Vorderansicht von schlichter Gestaltung. Als Gravur ist die Darstellung des gekreuzigten Christus erkennbar, während die Sonne und der Mond ihr Antlitz als Zeichen der Trauer verhüllen. Aus dem Himmel tritt die Hand Gottes hervor, die einen Lorbeerkranz hält, in dessen Mitte sich eine Taube befindet. Am Fuß des Kreuzes kriecht eine Schlange empor. Diese Darstellung symbolisiert den Sieg über den Tod und das Böse.
 
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Lotharkreuz, Ausschnitt
Foto Pit Siebigs
 
 
 
 
Das Lotharkreuz fand Verwendung bei der Krönungszeremonie und wurde dem neuen König vorangetragen. Hierbei war die schlichte Seite nach vorne gerichtet, während die eigentliche Vorderansicht dem König zugewandt war.
Bei einer näheren Betrachtung der mittleren Edelsteine fällt auf, dass die Einfassungen wie arkadenverzierte Tempel wirken. In Anlehnung an die Geheime Offenbarung beschreibt Johannes das himmlische Jerusalem als goldene und edeisteinbesetzte Stadt. Das Lotharkreuz nimmt hierauf unmittelbaren Bezug und soll ein Abbild des himmlischen Jerusalems darstellen.
 
 
 

Aachen und die Grabeskirche Karls des Großen galten Otto III. als heiligen Ort und so fand er auf seinen besonderen Wunsch hin am 05. April 1002 neben Karl dem Großen seine letzte Ruhe.

 
   
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Heinrichskanzel
Foto Pit Siebigs
 
     
 
Seit der Vollendung der gotischen Chorhalle befindet sich die goldene Kanzel, entstanden zwischen 1002 bis 1014, an der Südwand der Chorhalle. Sie ist eine Sühnestiftung Heinrichs II., der den Leichenzug Ottos III. auf seinem Weg von Rom nach Aachen hatte aufhalten lassen, um in den Besitz der kaiserlichen Insignien und des persönlichen Schatzes des verstorbenen Herrschers zu gelangen. Eigentümlich ist die Ausschmückung der Kanzel mit einer römischen Trinkschale, einer Untertasse und Tasse sowie zweier Achatschalen. Wohl ihrer Seltenheit und ihres Wertes willen wurden diese doch recht profanen Gegenstände verwendet. Ebenso passen die an den Seitenteilen der Kanzel vorhandenen Elfenbeinschnitzereien mit ihren durchaus freizüglichen Darstellungen nicht so recht ins Bild. Welche Bedeutung sie haben, bleibt ungewiss. Vielleicht symbolisieren sie den Sieg des Christentums über das Heidentum.
 
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Auch Friedrich I. Barbarossa, der den Aachener Thron im Jahre 1152 bestiegen hatte, war ein inniger Bewunderer Karls des Großen. Er führte fort, was vielleicht bereits Otto III. mit der Suche nach dem Leichnam Karls begann; Friedrich ließ die Gebeine Karls des Großen am 29. Dezember 1165 erheben und den Franken durch den Gegenpapst heilig sprechen. Karl als heiliger Reichsbegründer. Für Friedrich kam dieser Kanonisation nicht nur eine religiöse Bedeutung zu, sondern sie war ein politisches Zeichen. Der Machtkampf zwischen Kaiser und Papst, die Rivalität zu Frankreich, das sich immer stärker auf Karl den Großen als Begründer Frankreichs berief, waren zu einer Bedrohung für sein Reich geworden. Mit der Heiligsprechung Karls war zugleich das Reich selbst heilig geworden. In Aachen, dort wo man die Gebeine des heiligen Karl hütete, befand sich nun Haupt und Sitz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
In der Zeit zwischen 1165 und 1170 ist die Entstehung des Barbarossaleuchters zu datieren, jenes wertvollen Leuchters der im Auftrag Friedrichs I. und seiner Gemahlin Beatrix als Stiftung für die Schutzpatronin des Doms, der Gottesmutter Maria, in Aachen gefertigt wurde und seit dieser Zeit die Mitte des karolingischen Oktogons ziert. Der Barbarossaleuchter nimmt auf den Wunsch seiner kaiserlichen Stifter hin direkten Bezug auf den Raum, für den er geschaffen wurde.

 
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Barbarossaleuchter mit Karlsschrein
Foto
Domkapitel Aachen (Siebigs)
 
     
 
Auch der kostbare Radleuchter, der als einer der wenigen mittelalterlichen Leuchter erhalten geblieben ist, symbolisiert mit seinen Mauern und Türmen das himmlische Jerusalem. Der in Aachen entstandene Barbarossaleuchter greift zugleich den Bezug zur Pfalzkapelle auf. Er besteht aus acht Kreissegmenten sowie acht kleineren und acht größeren Türmen. Die insgesamt sechzehn Türme verweisen wiederum auf das Sechzehneck der Pfalzkapelle.
 
   
 

Friedrich I. war es auch, der nach der Erhebung der Gebeine Karls des Großen den Auftrag zur Fertigung eines kostbaren Reliquienschreines erteilte. Den Beginn der Arbeiten am Karlsschrein haben wir um 1182 zu vermuten, die Fertigstellung erfolgte 1215. Zwei Tage nach seiner Königskrönung in Aachen am 27. Juli 1215 konnte Friedrich II. der Überlieferung zufolge als Enkel Kaiser Barbarossas gemeinsam mit dem Meister die letzten Nägel in den Reliquienschrein schlagen.

 
   
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Karlsschrein, Langseite
Foto Pit Siebigs
 
     
 
Der Karlsschrein ist ein kostbarer Reliquienschrein, in dem die Gebeine Karls des Großen aufbewahrt werden.
Der Schrein ist eine Arbeit zweier Aachener Werkstätten. Auffallend ist vor allem, dass am Schrein nicht die Figuren von Apostels und Heiligen angebracht wurden, sondern die Darstellungen von Kaisern und Königen des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation als die Nachfahren Karis des Großen vorhanden sind. Die Dachplatten zeigen Szenen aus dem Leben Karls des Großen.
 
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Karlsschrein, Stirnseite
Foto Pit Siebigs
 
     
 
Eine weitere Besonderheit zeigt die Stirnseite A des Schreines. Während hier üblicherweise die Figur den thronenden Christus zu erwarten gewesen wäre, findet man hier am Karlsschrein die figürliche Darstellung Karls des Großen auf einem Thron. Die Karlsfigur zeigt sich im Verhältnis zu den Figuren von Papst Leo III. sowie Bischof Turpin übergroß.
Auch hier kommt wieder eine politische Bedeutung zum Ausdruck. Karl der Große steht als Gründer und Hüter des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation über Papst und Bischof. Der segnende Christus über der Karlsfigur verweist auf die göttliche Stellvertreterfunktion Karls auf Erden. Zugleich werden damit alle Karl dem Großen in der Herrschaft folgenden Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zu Stellvertretern Gottes auf Erden proklamiert.
Diese Darstellung verweist auf den Streit zwischen Kaiser- und Papsttum, den auch Friedrich I. auszutragen hatte.
 
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Karl IV., 1349 in Aachen zum König gekrönt, stiftete dem Dom die Karlsbüste. Sie zählt ebenfalls zu den kostbarsten mittelalterlichen Goldschmiedearbeiten der Kirche. Die Karlsbüste birgt als Reliquiar die Schädeldecke Karls des Großen.

 
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