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Pfalzkapelle Karls des Großen

Die Geschichte des heutigen Doms nimmt vor mehr als 1200 Jahren ihren Anfang, als Karl der Große beschließt, Aachen zur Pfalz auszubauen.
In den Jahren 786 bis 805 n. Chr. schufen die aus allen Teilen des Reiches nach Aachen berufenen Handwerker hier die prächtigste Pfalzanlage des Mittelalters. Karl der Große erhob Aachen zum Mittelpunkt seines Reiches, das fast das gesamte christliche Abendland umfasste. Aachen galt in jener Zeit als das Rom nördlich der Alpen.

 
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Zentrales Bauwerk dieser einzigartigen Pfalz war das karolingische Oktogon, Kernbau des heutigen Domes. Diese Kapelle war nicht nur sichtbares Zeichen des tiefen und frommen Glaubens des Frankenkönigs, sondern auch ein Zeugnis seiner weltlichen Macht. Mit dem Bau dieser Kirche wollte Karl der Große sein Streben nach einer Erneuerung des römischen Reiches auf der Grundlage der Antike und des Christentums hervorheben.
Die Pfalzkapelle in Aachen war zugleich eine bauliche Pionierleistung. Mit diesem Bauwerk wurde erstmals nördlich der Alpen ein Gebäude errichtet, dessen Dimensionen sowohl in der Form, im Ausmaß sowie in der Ausführung bislang ausschließlich römischen Bauten vorbehalten war. Für vier Jahrhunderten blieb die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen das Bauwerk mit der höchsten Kuppel und der weitesten Gewölbeverbindung aus Stein diesseits der Alpen.
Bereits zur Zeit seines Vaters Pippin gab es an der Stelle, an der Karl die Kapelle erbauen ließ, eine Kirche. Der alte Altar markierte nicht nur den Ort für den neuen Altar, sondern von ihm gingen auch die Vermessungen für die gesamte Pfalzanlage aus. Entgegen des römischen Bebauungsschemas ließ Karl aber eine Richtungskorrektur vornehmen. Da am Tage des Weltunterganges Christus als Richter aus der Heiligen Stadt Jerusalem kommen wird und diese östlich liegt, wurden die Achsen verschoben, um eine genaue Ost-West-Ausrichtung zu erreichen.
Die Planung zum Bau der Pfalzkapelle erfolgte nach einer strengen Zahlensymbolik und beruhte auf biblische Maßzahlen. So sind Breite, Länge und Höhe der karolingischen Kirche gleich. Die Pfalzkapelle Karls nimmt damit direkten Bezug auf das Abbild des himmlischen Jerusalems, das Johannes in seiner Apokalypse beschreibt. Auch hier stimmen Länge und Breite überein.
Der innere Umfang des Oktogons weist 12 x 12, also 144 karolingische Fuß auf. Die Zwölf verweist in der Bibel auf die zwölf Stämme Israels, die zwölf Apostel und auf die zwölf Monate eines Jahres. Die Kirche ist als Achteck mit einem sechzehneckigen Umgang konzipiert. Die Zahl Acht gilt als heilige Zahl und symbolisiert Harmonie und Vollkommenheit. Im Mittelalter bezieht man die Acht auf den Tag der Auferstehung Christi.
Während die nahe Umgebung das meiste Baumaterial lieferte, wurden kostbare Ausstattungsstücke der Kirche von weither nach Aachen transportiert. Alkuin, ein Angelsächsischer Gelehrter, der seit 782 am Aachener Hof lebte, berichtet in einem Schreiben an Karl aus dem Jahre 798, dass die Aufstellung der Marmorsäulen im Oktogon im Wesentlichen abgeschlossen sei. Die Säulenstellung hat im Übrigen keine statische Funktion, sondern dient ausschließlich der Ausschmückung der Kirche. Karl hatte die kostbaren Marmorsäulen aus Rom über die Alpen nach Aachen schaffen lassen. In Aachen waren sie Symbol des römischen Kaisertums und bestimmten diesen Ort zum neuen Rom nördlich der Alpen.

 
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Säulen im oberen Umgang
Foto Pit Siebigs
 
     
 
Zur Zeit Karl des Großen bestand der kostbare Schmuck der Pfalzkapelle aus den wertvollen Marmorsäulen und den vergoldeten Bronzegittern. Die heutige Marmor- und Mosaikausstattung wurde von 1900 bis 1903 als eine Stiftung Kaiser Wilhelms II. angebracht.
 
   
 
Leider wurden die 32 Säulen während der Besatzung Aachens durch die französischen Truppen 1794 ausgebaut und nach Paris verschleppt. Nicht alle Säulen gelangten 1815 in den Dom zurück, da die Franzosen zwischenzeitlich vierzehn Säulen, darunter die wertvollsten Stücke, im Louvre hatte einbauen lassen. Trotz dieses großen Verlustes an wertvollem Inventar aus der Zeit Karls des Großen befindet sich im Aachener Dom auch heute noch die umfangreichste und kostbarste Sammlung antiker Säulen nördlich der Alpen.
 
   
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Thron mit Säulen
Foto Pit Siebigs
 
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Königsthron im Westen des Oktogonobergeschosses
 
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Aus Ravenna kamen wertvolle Mosaike zur Ausschmückung der Kapelle. Und die Marmorplatten für den Thron Karls des Großen, der sich im Obergeschoss des Doms befindet, stammen vom Heiligen Grab in Jerusalem.
In Aachen errichteten die Handwerker zudem eine Gießerei, in der sie neben der mächtigen Eingangspforte der Kirche und weiteren Türen auch die kostbaren Bronzegitter für den Innenraum schufen.
 
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Thronplatte mit Mühlespiel
Foto Domkapitel Aachen (Siebigs)
 
     
 
Eine Besonderheit weist die rechte Marmorplatte des Königsthrones auf. Auf ihr ist nämlich ein eingeritztes Mühlespiel erkennbar. Es handelt sich deshalb bei ihr um eine einstige Bodenplatte. Ihre Verwendung für den Thron Karls des Großen ist außergewöhnlich und muss daher einen besonderen Hintergrund haben. Die Marmorplatten weisen zudem unterschiedliche Materialstärken auf. Ihr Wert liegt damit nicht etwa im Material, sondern in ihrer Einzigartigkeit. Heute kann zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass diese Platten vom Heiligen Grab in Jerusalem stammen. Sie sind daher als eine Art Reliquie nach Aachen gekommen und für den Königsthron verwendet worden.
 
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Diese Werke galten lange Zeit als römische Herkunft. Erst durch den Fund von Gussformteilen und Schlackeresten können sie heute einwandfrei der karolingischen Epoche zugeordnet werden.
 
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Wolfstüre
Foto Verein
 
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Die schwere Wolfstüre entstand als Eingangspforte in karolingischer Zeit in Aachen gemeinsam mit den Bronzegittern.
 
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Detail Bronzegitter Obergeschoss
Foto Pit Siebigs
 
     
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Die für die Ausschmückung der Pfalzkapelle in Aachen gegossenen Bronzegitter waren ursprünglich vergoldet. Nach der Antike entstanden sie als erste Gießarbeiten nördlich der Alpen gemeinsam mit den Türen in massiver Ausführung und nach antiken Vorbildern.
 
   
 

Doch Karl der Große ließ in Aachen nicht nur prächtige Bauten errichten, sondern widmete sich hier auch der Bildung, indem er eine Hofschule gründete. Kirchliche wie weltliche Repräsentanten, Gelehrte und Dichter, Maler und Handwerker, sie alle aus dem gesamten Reich nach Aachen kommend bildeten einen kulturellen Zirkel, den es in einer solchen Zusammensetzung nördlich der Alpen niemals zuvor gegeben hat.
Die Fülle und der Reichtum dieser hier versammelten Kulturen finden vor allem in den in der Hofschule Karls des Großen geschaffenen sakralen Prachthandschriften ihren Ausdruck. Aus der Aachener Hofschule sind zu Lebzeiten Karls des Großen nicht weniger als neun Hauptwerke erhalten, unter ihnen das bedeutende karolingische Evangeliar, das auch heute noch in der Domschatzkammer gehütet wird, sowie das Godescalc-Evangeliar, das als erste Handschrift überhaupt aus dem Auftrag eines weltlichen Herrschers, nämlich Karls des Großen, hervorging.

 
   
   
   
 
Karolingisches Evangeliar
Foto Domkapitel Aachen (Siebigs)
 
     
 
Das insgesamt aus 280 Pergamentblättern bestehende karolingische Evangeliar wurde im 9. Jahrhundert an der Hofschule Karls des Großen in Aachen geschrieben. Die Handschrift war von Beginn an für die Pfalzkapelle bestimmt. Die Miniaturseite mit den vier Evangelisten, die den Evangelienseiten vorangestellt ist, ist zugleich die einzige figürliche Darstellung des gesamten Kodex. Der zweifelsohne kostbare Einband der Handschrift ging verloren.
 
 

Am Morgen des 28. Januar des Jahres 814 verstarb Karl der Große nach kurzer Krankheit vermutlich an einer Brustfellentzündung in Aachen. Obschon der Herrscher bereits lange vor seinem Tode verfügt hatte, neben seinem Vater in St. Denis beigesetzt werden zu wollen, bestand zunächst offensichtlich Unklarheit über die Begräbnisstätte. Nach entsprechender Beratung der Würdenträger am Aachener Hof wählte man die von Karl erbaute Marienkirche in Aachen als den würdigsten Bestattungsort für den Herrscher. Wohl noch am gleichen Tage fand Karl der Große seine letzte Ruhe in einem Erdgrab des offenen Westturms vor dem Eingang zum Oktogon.

 
 
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Proserpinasarkophag, Vorderansicht
Foto
Domkapitel Aachen (Siebigs)
 
 
Den römischen Marmor-Sarkophag aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. hatte Karl von einer Italienreise nach Aachen bringen lassen. In ihm wurde er am 28. Januar 814 bestattet.
 
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Proserpinasarkophag, Detailansicht
Foto
Domkapitel Aachen (Siebigs)
 
 
Auf der Vorderseite sowie den beiden Seitenteilen ist der römisch-griechische Mythos "Raub der Proserpina" dargestellt. Die Reliefarbeit ist von außergewöhnlicher Schönheit.
 
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