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Während zunächst in der karolingischen wie romanischen Zeit die verehrungswürdigen Reliquien in ihren Behältnissen und Laden verblieben, wuchs während der Gotik immer stärker das Bedürfnis, die Reliquien zu sehen. Die erste Zeigung der Heiligtümer ist für das Jahr 1312 belegt. Vermutlich gab es zu dieser Zeit noch keinen festen zeitlichen Rhythmus zur Zeigung der Reliquien. Erst ab dem Jahre 1349, als Europa von der Pest heimgesucht und die Epidemie rund ein Drittel der Bevölkerung dahinraffte, findet die Zeigung der Aachener Heiligtümer bis heutezu alle sieben Jahre statt.
Im 14. und 15. Jahrhundert galt Aachen wegen seiner herausragenden Reliquien neben Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela als bedeutendster Wallfahrtsort der Christenheit.
Die Krönungsfeierlichkeiten in der Pfalzkapelle und der starke Pilgerandrang während der Heiligtumsfahrten führten zwangsläufig zu einer baulichen Veränderung der Pfalzkapelle.
Im 14. Jahrhundert erhielt der karolingische Westturm eine Galerie, von der man aus den Gläubigen die Heiligtümer besser zeigen konnte. Auf die beiden Wendeltreppenaufgänge setzte man kleine Heiligtumskammern.
Wahrscheinlich auf Betreiben Karls IV. entschloss sich das Domkapitel dann schließlich zum Bau einer großen Chorhalle. Dieser Baukörper führte zu einer vollkommenen Veränderung der einstigen Pfalzkapelle. Der kleine karolingische Chorraum wurde niedergelegt, an seine Stelle errichtete man als Meisterwerk der gotischen Baukunst die Chorhalle.
Obschon Oktogon und Chorhalle stilistisch völlig verschieden waren, gelang die harmonische Verbindung zwischen Altem und Neuem sowohl in technischer wie auch in architektonischer Hinsicht in beeindruckender Weise. Die Baumeister gingen sogar so weit, das Zahlensystem des karolingischen Zentralbaus aufzugreifen und beim Bau der Chorhalle, die über einen sechzehnteiligen Grundriss verfügt, fortzuführen. Die Wände bestehen fortan nicht mehr aus Steinen. Der Steinanteil ist auf das statisch Notwendigste begrenzt. Statt dessen sind große Glasflächen zum Gestaltungselement des Baukörpers geworden; einem Glashaus gleich. In Aachen werden die vergleichbaren Vorgängerbauten nicht nur in der Art der Konstruktion, sondern auch in ihrer Größe übertroffen. Mehr als 1.000 qm Glasfläche geben der Chorhalle bereits im Mittelalter die Bezeichnung „Glashaus von Aachen“. Mit ihren rund 27 m hohen Glasfenstern verfügt die gotische Chorhalle des Doms über die größten Fenstern der Gotik überhaupt. |
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